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Deep-Sky Corner
Lateinischer Name:
Virgo
Deutscher Name:
Jungfrau
Vir

Jungfrau

Karte
Benachbarte Sternbilder:
Boo Com Crv Crt Hya Leo Lib Ser
Kulmination um Mitternacht:
12. April
Deklinationsbereich:
23°S ... 14°N
Fläche am Himmel:
1294°2
Atlas (2000.0) Karte
Cambridge Star Atlas: 11
Sky Atlas: 13, 14, 15, 21
Uebersichtskarte von Alfred Binggeli

Mythologie und Geschichte:

Die Griechen sahen in diesem Sternbild die Persephone, die wunderschöne Tochter von Demeter, der griechischen Göttin der Landwirtschaft, der Fruchtbarkeit und der Heirat. Eines Tages, als Persephone gerade im Feld spazierenging, wurde sie von Hades entführt. Die Erde tat sich auf und er entschwand mit ihr auf seinen schwarzen Streitwagen in die Unterwelt, wo sie seine Frau werden sollte. Demeter war so betroffen vom Verlust ihrer Tochter, dass sie vergass ihren Pflichten nachzukommen. Ernten fielen aus und die Leute begannen vor Hunger zu sterben. Zeus, der König der Götter, arbeitete schliesslich an einem Kompromiss. Persephone sollte die eine Hälfte des Jahres bei ihrer Mutter verbringen und die andere Hälfte in der Unterwelt bei ihrem Gemahl. So versetzte er sie an einen Platz unter den Sternen. Wenn Persephone in der Unterwelt ist, verharrt die Welt in der Kälte des Winters, wenn sie zu ihrer Mutter Demeter zurückkehrt, beginnt wieder der Frühling. [ay97]

Nach einer anderen Legende war die Jungfrau Astraea, die Göttin der Gerechtigkeit, Tochter von Zeus und Themis, welche die Erde im Ehernen Zeitalter, als die Menschen die Gerechtigkeit nicht mehr achteten, voll Abscheu verliess, zum Himmel aufflog und zum Sternbild Dike wurde. Die friedliebenden Ackerbauern - so erzählt man - haben sie sehr vermisst und haben, um sich zu trösten, zu diesem Sternbild aufgeschaut, aus dem sie die Göttin der Gerechtigkeit anstrahlte.

Das Sternbild der Jungfrau wird aber auch mit dem Ikarios in Verbindung gebracht. Er lernte von Dionysos die Kunst der Kelterei und wurde von betrunkenen Schafhirten umgebracht, die sich verzaubert glaubten. Nachdem sie ihren Rausch ausgeschlafen hatten, begruben sie Ikarios unter einem Tannenbaum und verwischten alle Spuren sorgfältig, damit ihre Tat nicht bekannt würde. Ikarios' Tochter Erigone wusste nicht wo ihr Vater geblieben war, bis ihr Hund Maria sie an einem Zipfel ihres Gewandes zu jener Stelle zerrte, wo ihr Vater von den Mördern verscharrt worden war. Verzweifelt war Erigone und erhängte sich an dem Tannenbaum, der beim Grab ihres Vaters stand. Der Hund, bekümmert über den Tod der beiden, stürzte sich in einen nahegelegenen Brunnen.

Als Dionysos diese schreckliche Neuigkeit vernahm war er so ausser sich vor Zorn, dass er einen Fluch über die Jungfrauen in Athen aussprach, der sie dazu veranlasste, sich selbst an Bäumen aufzuhängen. Die Bürger von Athen waren so erschreckt, dass sie ein Orakel konsultierten. Das Orakel sprach, dass der Tod der Jungfrauen nur gestoppt werden könne, wenn Ikarios' Mörder gefunden und bestraft würden. Das war schnell geschehen. Später zelebrierten die Athenier jedes Jahr beim Weinlesefest den Tod des Ikarios und der Erigone. Trinkopfer werden dem Ikarios und der Erigone dargebracht und Mädchen schaukeln, auf kleinen Brettern stehend, an Seilen im Baumgeäst.

Dionysos schenkte Ikarios, dessen Tochter und ihrem Hund einen Platz unter den Sternen. Ikarios wurde zu Bootes, Erigone wurde zum Sternbild Virgo und der Hund wurde zum Sternbild Canis Minor.

Die alten Ägypter identifizierten das Sternbild Virgo mit der Göttin Isis, der Himmlischen Gattin und Mutter und der hellste Stern wurde als der Lautenträger verehrt. Vermutlich wurde mindestens einer der Tempel von Akhenatons königlicher Stadt, jetzt bekannt als Tell el Amarna auf die Lage des Sterns Spica ausgerichtet. Wäre dem so, könnte es sein, dass dieser eigensinnigste und rätselhafteste der Pharaonen, oft betrachtet als der «erste Monotheist der Geschichte», seiner eigenen «Himmlischen Mutter» huldigte, die exotische und liebliche Nefertiti.

Auch in anderen Ländern wurde das Sternbild Virgo mit einer «Muttergöttin» in Verbindung gebracht: In Assyrien war sie die Frau von Bel, in Babylonien war sie Ishtar, Königin der Sterne und in Indien wurde sie mit Kanya, dem Mädchen und Mutter von Krishna in Verbindung gebracht.

Die alten Babylonier haben nebst Ishtar in dieser Sternkonfiguration eine Kornähre (Spica) gesehen, die einen Teil des Jahres unter der Erde verbringt und im Frühling aus der Erde spriesst um am Himmel zu stehen.

Die Jungfrau wird häufig mit einem Palmzweig in ihrer rechten Hand und der Spica, der Weizenähre, in ihrer linken dargestellt. Man sieht im Sternbild der Jungfrau die Persephone, welche die Römer Proserpina nannten, also die Tochter der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter (Ceres). Weil die Jungfrau die Weizenähre trägt, hat man sie auch Spicifera Vorgo Cereris und Virgo Spicea Munera Gestans genannt, aber auch Aristae Puella. Die Jungfrau wurde auch mit einer Waage (Sternbild Libra) als Göttin der Gerechtigkeit dargestellt und Iusta und Iustitia bezeichnet und sogar ausdrücklich Astraea (Göttin der Gerechtigkeit) genannt. Auch die Bezeichnungen Pax (Friede), Concordia (Göttin der Eintracht), Fortuna (Schicksals- und Glücksgöttin) und andere findet man. Im christianisierten Sternenhimmel hat sich die Jungfrau zur Jungfrau Maria verwandelt. [bk20]

Sternbild:

Das Sternbild Virgo ist nicht besonders auffällig, aber leicht zu finden. Man folgt einfach dem Bogen der Deichsel des Grossen Wagens über Arkturus im Sternbild Bootes bis zur Spica, dem hellsten Stern im Sternbild Virgo. Das Alignement selbst hat keine besonders markante Form, doch erkennt man mit viel Phantasie in Strichfiguren einiger Sternkarten eine Frau, die mit gespreizten Beinen und offenen Armen daliegt, wenn auch dies nicht gerade jungfrälich und tugendhaft und in bildlichen Darstellungen nicht der Fall ist. Die Fläche des Sternbilds beträgt 1294 Quadratgrad und ist somit das zweitgrösste am Himmel. Das Zentrum kulminiert jeweils etwa am 12. April um Mitternacht. [bk9, bk15]

Interessante Objekte:

Hellste Sterne:
alpha Virginis, Spica (Kornähre)
beta Vir
gamma Vir, Porrima (röm. Göttin der Weissagung)
delta Vir
epsilon Vir, Vindemiatrix (Winzer)
theta Vir
tau Vir
phi Vir

Sterngruppen:
  • Diamond

    Kugelsternhaufen:
    NGC 5634

    Galaxien:
    NGC 3818
    NGC 3952
    NGC 3976
    NGC 4030
    NGC 4037
    NGC 4045
    NGC 4073
    NGC 4116
    NGC 4123
    NGC 4124
    NGC 4129
    NGC 4168
    NGC 4178
    NGC 4179
    NGC 4189
    NGC 4215
    NGC 4216
    NGC 4224 & NGC 4233 & NGC 4235
    NGC 4234
    NGC 4260
    NGC 4261
    NGC 4267
    NGC 4270 & NGC 4273 & NGC 4281
    NGC 4294
    NGC 4299
  • M 61 & NGC 4292 & NGC 4301
    NGC 4307
    NGC 4313
    NGC 4324
    NGC 4339
    NGC 4342
    NGC 4348
    NGC 4365
    NGC 4371
  • M 84 & M 86 & NGC 4387 & NGC 4402
    NGC 4378
    NGC 4380
    NGC 4385
    NGC 4388 & NGC 4413
    NGC 4412
    NGC 4417 & NGC 4424
    NGC 4420
    NGC 4425
    NGC 4428 & NGC 4433
    NGC 4429
    NGC 4435/36: The Eyes
    NGC 4438
    NGC 4442
    NGC 4452
    NGC 4454
    NGC 4457
    NGC 4461
    NGC 4469
  • M 49 & NGC 4464 & NGC 4470 & NGC 4492
    NGC 4473
  • M 87: Jet Galaxy & NGC 4476 & NGC 4478
    NGC 4483
    NGC 4487
    NGC 4496
    NGC 4503
    NGC 4504
    R 80
    NGC 4517
    NGC 4519
    NGC 4522
    NGC 4526
    NGC 4527
    NGC 4532
    NGC 4535
    NGC 4536
    NGC 4546
    NGC 4550
  • M 89 (NGC 4552)
    NGC 4564
    NGC 4567/68: Siamese Twins
  • M 90 & IC 3583
    NGC 4570
    NGC 4578
  • M 58 (NGC 4579)
    NGC 4580
    NGC 4586
    NGC 4592
    NGC 4593 & NGC 4602
  • M 104: Sombrero Galaxy
    NGC 4596
    NGC 4597
    NGC 4608
    NGC 4612
  • M 59 & M 60 & NGC 4637 & NGC 4638
    NGC 4623
    NGC 4630
    NGC 4632
    NGC 4636
    NGC 4639
    NGC 4643
    NGC 4647
    NGC 4653
    NGC 4654
    NGC 4658
    NGC 4660
    NGC 4665
    NGC 4666
    NGC 4668
    NGC 4682
    NGC 4684
    NGC 4688
    NGC 4691
    NGC 4694
    NGC 4697
    NGC 4698
    NGC 4699
    NGC 4700
    NGC 4701
    An 3
    NGC 4713
    NGC 4731
    NGC 4742
    NGC 4753
  • NGC 4754 & NGC 4762
    NGC 4760
    NGC 4765
    NGC 4771
    NGC 4772
    NGC 4775
    NGC 4781
    NGC 4786
    NGC 4790
    NGC 4795
    An 4
    NGC 4808
    NGC 4818
    NGC 4825
    NGC 4845
    NGC 4856
    NGC 4866
    NGC 4880
    NGC 4891
    NGC 4899
    NGC 4900
    NGC 4902
    NGC 4904
    NGC 4915
    NGC 4928
    NGC 4933
    NGC 4939
    NGC 4941
    NGC 4951
    NGC 4958
    NGC 4981
    NGC 4984
    NGC 4995
    NGC 4999
    NGC 5017
    NGC 5018
    NGC 5037
    NGC 5044
    NGC 5054
    NGC 5068
    NGC 5077
    NGC 5084
    NGC 5087
    NGC 5088
    NGC 5134
    NGC 5147
    NGC 5170
    NGC 5230
    NGC 5247
    NGC 5300
    NGC 5324
    NGC 5334
    NGC 5363
    NGC 5364
    NGC 5426
    NGC 5427
    NGC 5468
    NGC 5493
    NGC 5496
    NGC 5534
    NGC 5566
    NGC 5574
    NGC 5576
    NGC 5584
    NGC 5638
    NGC 5645
    NGC 5668
    NGC 5690
    NGC 5691
    NGC 5701
    NGC 5713
    NGC 5740
    NGC 5746
    NGC 5750
    NGC 5775
    NGC 5806 & NGC 5811 & NGC 5813 & NGC 5814
    NGC 5831
    NGC 5838 & NGC 5841 & NGC 5848
    NGC 5839 & NGC 5845 & NGC 5846 & NGC 5846A & NGC 5850
    NGC 5854
    NGC 5863 & NGC 5865 & NGC 5868 & NGC 5871
    NGC 5864

    Quasare:
  • 3C 273 (hellster bekannter Quasar)



  • Literatur
    [ay97] The Starry Sky: Virgo by Deborah Byrd; Astronomy 4/95, p.62
    [bk20] Sternbilder und ihre Mythen von Gerhard Fasching; Zweite, verbesserte Auflage; Springer Verlag Wien, New York; ISBN 3-211-82552-5 (Wien); ISBN 0-387-82552-5 (New York)
    [bk9] Drehbare Sternkarte SIRIUS von H. Suter-Haug; Hallwag-Verlag, Bern
    [bk15] Hartung's Astronomical Objects for Southern Telescopes by David Malin and David J. Frew; Melbourne University Press 1995; ISBN 0-522-84553-3


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    20.12.2006 23:37 Uhr, Bernd Nies

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