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Lateinischer Name: Taurus |
Deutscher Name: Stier |
Tau |
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Stier
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| Kulmination um Mitternacht: |
| 30. November |
| Deklinationsbereich: |
| 1°S ... 30°N |
| Fläche am Himmel: |
| 797°2 |
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| Atlas (2000.0) | | Karte |
| Cambridge Star Atlas | : |
3, 9 |
| Sky Atlas | : |
4, 5, 10, 11 |
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Mythologie und Geschichte:
Als eines der ältesten Sternbilder war Taurus schon in den ersten
Hochkulturen bekannt. Man vermutet, dass das Sternbild um 5000 v. Chr.
gebildet wurde. In der griechischen Mythologie gibt es vom Stier die
schöne Geschichte zu erzählen, die sich ereignete, als Zeus (Jupiter)
sich in die Tochter des Königs Agenor, der in Tyrus in Phönizien
herrschte, verliebte. Zeus verwandelte sich damals in einen Stier, um die
jungfräuliche Europa zu entführen:
Hermes (Merkur) verliess das nach Athene benannte Land, schwang seine
Flügel und stieg himmelan. Zeus rief ihn beiseite und trug ihm auf - ohne
ihm seine wahre Absicht mitzuteilen -, sofort nach Phönizien zu gehen und
im Gebirge die jungen Stiere des Königs an die Küste zu treiben.
Dort vergnügte sich für gewöhnlich des grossen Königs
hübsche Tochter zusammen mit anderen Mädchen aus Tyrus.
Zeus verwandelte sich in einen schneeweissen, kräftigen und
schönen Stier mit Hörnern, durchsichtig wie Edelstein. Er mischte
sich unter die Herde und näherte sich so der lieblichen Europa. Diese
bewunderte den prächtigen und friedfertigen Stier. Doch wenn er auch
sanftmütig erschien, scheute sie sich doch zuerst, ihn zu berühren,
kam aber dann doch heran und hielt ihm Blumen an den weissen Mund. Da freute
sich der verliebte Zeus, und während er auf die Erfüllung seines
Verlangens hoffte, küsste er ihre Hände. Bald spielte er mit ihr und
sprang auf dem grünen Rasen herum, bald streckte er die schneeweisse
Flanke im gelblichen Sand aus. Allmählich schwand Europas Furcht. Nun
liess sich der Stier von den Händen des Mädchens die Brust kraulen
und um die Hörner frische Kränze schlingen.
Endlich wagte es die königliche Jungfrau sogar, ohne zu ahnen wer sie
da tragen sollte, sich auf den Rücken des Stieres zu setzen. Da entfernte
sich der Gott unmerklich vom Land und der trockenen Küste und setzte
listig den Fuss in die äussersten Wellen, ging mehr und mehr hinein und
trug durch die Weiten des Meeres seine Beute. Ängstlich blickte Europa auf
die sich langsam entfernende Küste zurück, hielt sich mit der Rechten
an des Stieres Mähne fest und mit der Linken ihr leichtes Gewand. Der Wind
bauschte sich darin und spielte mit ihrem blonden, langen Haar. Die Furcht
verlieh ihr neue Anmut. Oft zog sie ihre Mädchenfüsse vom Meer in die
Höhe und fürchtete die Berührung des hochspritzenden Wassers,
oft tauchte der Gott mit Arglist den Rücken in die Wellen, damit sie sich
umso enger an seinem Hals festhielt. Als sie das andere Ufer erreicht hatten,
stand Zeus plötzlich ohne seine Hörner da, und er hatte sich vom
Stier in den Gott zurückverwandelt. Sie stiegen auf zum Himmel und die
Prinzessin wurde seine Geliebte. [ay87, bk20]
Nach einer anderen Variante dieser Erzählung hatte sich Zeus nicht
selbst in einen Stier verwandelt, sondern er hatte der jungfräulichen
Europa einen echten Stier geschickt, um sie aus dem Kreis ihrer Gespielinnen
zu entführen. Dieser Stier irrte dann herrenlos in Kreta herum.
Der kretischen Königin Pasiphae gefiel dieser schöne Stier so sehr, dass sie
den bekannten Kunsthandwerker Daidalos beauftragte, eine hölzerne, lebensnah nachgeahmte
Kuh zu bauen. Daidalos versah diese innen hohle Kuh mit einer Klappe am Rücken und
überzog sie dann mit Kuhhaut. Die wollüstige Pasiphae schlüpfte in diese Kuh,
um ihrem Verlangen zu frönen. Auf der Wiese in der Nähe von Gortys weidete der Bulle,
kam schliesslich heran, liess sich von der Attrappe täuschen und besprang die
vermeintliche Kuh.
Aus dieser Verbindung entspross der Minotaurus, ein grässliches Mischwesen.
Bald hatten die Inseleinwohner beschlossen, diesen Schandfleck vor den Augen der Welt zu
verbergen und versteckten den Minotaurus in einem verschlungenen Bau, in einem finsteren
Gemäuer. Der Stier jedoch, der dieses Wesen zeugte, wurde von Poseidon, dem Gott des
Meeres, zur Strafe mit Raserei geschlagen. Von einer Bestrafung der lüsternen Pasiphae
weiss man nichts. Dieser Stier, der auf der Insel Kreta rasend und als schlimme Plage
umherirrte, sollte nun von Herakles in seiner siebenten Aufgabe, die ihm Eurysteus auftrug,
lebend eingefangen und nach Argus gebracht werden.
In Anlehnung an die erste Erzählung gibt es die Bezeichnung Portitor Europae
(Fährmann der Europa) und Proditor Europae (Verräter der Europa). An die
zweite Erzählung erinnert der Name Amasius Pasiphaes (Liebhaber der Pasiphae).
Weitere Namen sind Bos (Stier), Princeps Armenti (Führer der Herde) und
eigenartigerweise auch Bubulcus (Ackerknecht, Ochsenknecht), ein Name der eher dem
Bootes zustünde.
[bk20]
Sternbild:
Das Sternbild Taurus liegt nordwestlich von Orion
und ist durch die beiden grossen lockeren Sternhaufen, den Hyaden und den
Plejaden, leicht zu identifizieren. Die hellsten Sterne der Hyaden
bilden ein auffälliges V am Himmel, das besonders markant erscheint, wenn das Sternbild
untergeht und es direkt über dem westlichen Horizont steht. In den meisten Darstellungen
wird jedoch nur der Kopf des Stieres, wie er drohend auf den Jäger
Orion herabblickt, mit den Sternen assoziiert.
Auffällig sind auch die beiden Hornsterne beta und zeta Tauri, wobei der
nördlichere zwar nicht zum Sternbild Auriga, jedoch
meist zu dessen fünfeckigen Alignement gezählt wird. Die Fläche, welche von der
Sternbildgrenze gemäss IAU umschlossen wird, beträgt 797 Quadratgrad. Das Zentrum des
Sternbilds kulminiert jeweils etwa am 30. November um Mitternacht.
[bk9, bk15]
Interessante Objekte:
- Hellste Sterne:
- alpha Tauri, Aldebaran (der den Pleiaden Nachfolgende)
- beta Tau, El Nath (das Horn)
- gamma Tau, Hyadum I
- delta Tau, Hyadum II
- zeta Tau
- eta Tau, Alcyone
- theta Tau
- kappa Tau
- lamda Tau
- sigma Tau
- phi Tau
- chi Tau
- 16 Tau, Celaeno
- 17 Tau, Electra
- 19 Tau, Taygeta
- 20 Tau, Maia
- 21 Tau, Asterope
- 23 Tau, Merope
- 27 Tau, Atlas
- BU Tau, Pleione
- Offene Sternhaufen:
- Messier 45: Pleiades
- Hyades
- NGC 1647
- NGC 1746/58
- NGC 1807
- NGC 1817
- Planetarische Nebel:
- NGC 1514: Dew Nebula
- Helle, diffuse Nebel:
- IC 349
- NGC 1432: Maia Nebula
- NGC 1435: Merope, Tempel's Nebula
- vdB 20: Electra Nebula
- vdB 23: Alcyone Nebula
- NGC 1554/5: Struve's Lost Nebula, Hind's Variable Nebula
- IC 2087
- Messier 1 (NGC 1952): Crab Nebula
- Sh2-240: Simeis 147
| Literatur |
| [ay87] | | The Starry Sky: Taurus by Deborah Byrd; Astronomy 12/94, p.60 |
| [bk20] | | Sternbilder und ihre Mythen von Gerhard Fasching; Zweite, verbesserte Auflage; Springer Verlag Wien, New York; ISBN 3-211-82552-5 (Wien); ISBN 0-387-82552-5 (New York) |
| [bk9] | | Drehbare Sternkarte SIRIUS von H. Suter-Haug; Hallwag-Verlag, Bern |
| [bk15] | | Hartung's Astronomical Objects for Southern Telescopes by David Malin and David J. Frew; Melbourne University Press 1995; ISBN 0-522-84553-3 |