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Deep-Sky Corner
Deep-Sky Corner / Sgr / M 8: Lagoon Nebula & NGC 6530 & B 88 & B 89 & B 296 Sgr

Rektaszension:
18h 03m 48s
Deklination:
-24° 23' 00"
Atlas (2000.0)
Karte
Cambridge Star Atlas
12, 18
Sky Atlas
22
Uranometria Vol. II
339
Starchart at CalSKY.com

Objektdaten:

Abb.1: Fotografie von M8 und Kugelsternhaufen NGC 6544; Pentax SDHF 105, 45min auf Kodak 400, 19.6.1998, Bruno Walther [dq10]

Der Lagunennebel ist wohl einer der prächtigsten Objekte des Himmels. Die Entdeckung wird oft Le Gentil im Jahre 1747 zugeschrieben, doch es scheint, dass der Nebel bereits 1680 von Flamsteed als nebelhafter "Fortsatz im Bogen des Sagittarius" verzeichnet wurde. De Cheseaux bezog sich 1746 ebenfalls auf einen "Haufen in Sagittarius' Bogen", welcher vermutlich M 8 darstellte. Charles Messier nahm den Nebel 1764 als achtes Objekt in seiner Liste kometenähnlicher Himmelsobjekte auf.

Bei M 8 handelt es sich um einen galaktischen Nebel, eine H II-Region, der Geburtsort neuer Sterne. Das bemerkenswerteste Detail ist der dunkle gebogene Kanal, welcher den Nebel von NE nach SW durchquert und ihn scheinbar in zwei Hälften spaltet. Dieser Kanal ist an den meisten Stellen zwei Bogenminuten breit, doch er ist nicht komplett dunkel, sondern von parallel laufenden hellen Filamenten durchzogen, grösstenteils auf der Westseite. Dieser Besonderheit verdankt der Nebel den Namen "Lagunenebel", welcher vermutlich erstmals von Agnes M. Clerke in ihrem 1890 erschienenen Buch The System of the Stars verwendet wurde. Der Name scheint nicht ganz passend, da die Dunkelwolke eher einem Kanal und nicht einer Lagune gleicht. [bk4]

Heller diffuser Nebel:
M 8, NGC 6523: Lagoon Nebula, (Hourglass ~)
R.A.
18h 03m 48s
Dec.
-24° 23' 00"
Dim.
45'x30'
Type
E
ph Brt.
1-5
Color
2-4

Die genaue Distanz von M 8 ist noch etwas unsicher, dies aufgrund der starken unterschiedlichen Verdunkelung in dieser Region der Galaxie. Entfernungsangaben reichen von etwa 3000 bis 5200 Lichtjahren. Vermutlich liegt der höhere Wert im Bereich der Plausibilität. Bei dieser Distanz besitzen die hellen Bereiche des Nebels, wie sie z.B. in Abb. 1 zu sehen sind, eine physische Ausdehnung von rund 66x44 Lichtjahren. Zieht man die schwächeren äusseren Region hinzu, so wächst der Nebel auf etwa 115 Lichtjahre an. M 8 scheint Teil eines grösseren Nebelkomplexes zu sein, zu dem auch der Trifid-Nebel (nördlich) und die Nebel NGC 6559 und IC 4681 (östlich) dazugehören. Alle sind durch einen zarten Gas- und Staubschleier miteinander verbunden. [bk4]

Abb.2: Hourglass-Nebula in M8. Der hellere und südlichere der beiden Sterne ist 9 Sagittarii. Aus STScI DSS [si1]

Der westliche Teil des Nebels wird von zwei Sternen dominiert, die voneinander nur drei Bogenminuten Winkelabstand haben. Der südlichere Stern der beiden ist 9 Sagitarii mit dem Spektraltyp O5 und der Helligkeit 5.97 mag. Hierbei handelt es sich vermutlich um den Hauptstern, welcher den Nebel zum Leuchten anregt, doch weitere extrem heisse Sterne existieren möglicherweise innerhalb der Wolke, verdeckt von dunkler Materie. Nur drei Bogenminuten WSW von 9 Sagitarii liegt der hellste Teil des Nebels: Ein sanduhrförmiger Knoten mit etwa 30 Bogensekunden Durchmesser und wegen seines Aussehens Hourglass Nebula genannt (vgl. Abb. 2) - nicht zu verwechseln mit dem vom HST observierten planetarischen Nebel MyCn18 (PK 307-4.1) im südlichen Sternbild Musca, der den gleichen Spitznamen erhielt. Dieser extrem helle Teil des Nebels wird teils vom Stern Herschel 36 (ca. 9.5 mag, Spektraltyp O7, siehe Abb. 4) und teils von einem durch ein Staubband verdeckten Stern mit Energie versorgt und zum Leuchten angeregt. Der verdeckte Stern ist nur im Infraroten sichtbar, welche die dichten Staubwolken zu durchdringen vermag. Diese Sterne sind möglicherweise weniger als 10'000 Jahre jung, etwa im selben Alter wie der Sanduhr-Nebel selbst. Ein Indiz für eine kürzliche Sternbildung in dieser sehr aktiven Region. In diesem Teil des Nebels befindet sich auch eine Quelle für Radiostrahlung, welche erstmals 1973 vom National Radio Astronomy Observatory in Green Bank, West Virginia, detektiert wurde. [bk4, bk15]

Abb.3: Detailaufnahme in Falschfarben des Hubble Space Telescopes. Norden liegt etwa in Richtung der rechten oberen Ecke. © STScI [si7]

Die in Abb. 3 gezeigte HST-Detailaufnahme des Hourglass-Nebels enthüllt ein Paar etwa 0.5 Lichtjahre langer interstellarer "Wirbelstürme". Der heisse O-Stern Herschel 36 im Zentrum und weitere heisse Sterne sind die primäre Quelle der ionisierenden Strahlung. Die starke Strahlung bewirkt Photo-Evaporation an der Oberfläche der umliegenden Wolken (gezeigt als "blauer Dunst" in Abb. 4), und gewaltige stellare Winde, welche die kühlen Wolken zerreissen. Analog zu den irdischen Wetter-Phänomenen kann die grosse Temperaturdifferenz zwischen der heissen Oberfläche und dem kühlen Inneren der Wolken, kombiniert mit dem Druck von Sternenlicht, zu starken horizontalen Scherkräften führen, welche die Wolken zu einem Tornado-förmigen Gebilde verwirbeln. Obwohl das Aussehen der dunklen Wolkenschläuche eine Wirbelbewegung suggeriert, muss diese Drehbewegung anhand weiterer Spektralmessungen mit neuem Equipment des HST verifiziert werden.

Abb.4: Vergrösserung des Ausschnittes in Abb.3. © STScI [si7]

Die HST-Aufnahmen enthüllen ebenfalls eine Vielzahl kleiner Strukturen im interstellaren Medium: kleine dunkle Wolken, genannt "Bok-Globulen", bogenförmige Schockfronten um Sterne, ionisierte Fetzen, Ringe, Knoten und Jets. Alles Zeichen, welche die wahre Natur des Lagunennebels als Geburtsstätte neuer Sterne aus staubigen Molekülwolken bestätigen. Diese Regionen dienen als Weltraum-Laboratorium um die Entwicklung der Sterne und die Interakationen der Stellarwinde mit dem umliegenden Gas zu studieren.

Die in Abb. 3 und Abb. 4 gezeigten farbcodierten Bilder entstanden im Zeitraum Juli bis September 1995 mit der WFPC2 des HST durch drei schmalbandige Filter: rot = ionisierte Schwefelatome, blau = zweifach ionisierte Sauerstoffatome, grün = ionisierter Wasserstoff. [si7] Diese Farbcodierung entspricht nicht den natürlichen Farben, da ionisierte Schwefelatome [S II] rot, zweifach ionisierte Sauerstoffatome [O III] grün und ioniserter Wasserstoff [H II] blaugrün [H beta] und rot [H alpha] leuchten.

Der östliche Teil vom galaktischen Nebel Messier 8 enthält als prominenteste Besonderheit den lockeren offenen Sternhaufen NGC 6530. Er misst etwa 14 Bogenminuten im Durchmesser. Die hellsten Mitglieder sind Unterriesen des Typs B0 IV. Mittels des Lowell 42"-Reflektors konnte C. O. Lampland im Jahre 1919 18 irregulär variable Sterne im Haufen und dem umliegenden Nebelgebiet identifizieren. Dabei scheint es sich um Flare-Sterne und solche des T-Tauri-Typs zu handeln, welche noch Babies sind und sich noch nicht zum stabilen Hauptreihenstadium entwickelt haben. Ein von NGC 6530 erstelltes H-R-Diagramm zeigt einen typisch jungen Haufen, der sich nur vom Spektraltyp O5 bis etwa A0 erstreckt. Die meisten schwachen Sterne liegen dabei etwa vier bis fünf Magnituden über der Normalposition. Sie befinden sich immer noch im Prozess der gravitationellen Kontraktion und erzeugen möglicherweise noch keine Thermonukleare Energie - interstellare Feten sozusagen. Das H-R-Diagramm von M 8 ähnelt dem von NGC 2264 im Sternbild Monoceros. Beide zählen zu den jüngsten bekannten Sternhaufen. Das Alter wird auf wenige Millionen Jahre geschätzt. Da die Spektren nur eine geringe Rötung zeigen, lässt vermuten, dass sich der Sternhaufen vor dem Lagunennebel befindet. NGC 6530 entfernt sich mit einer Radialgeschwindigkeit von etwa 9 km/s. [bk4]

Offener Sternhaufen:
NGC 6530
R.A.
18h 04m 48s
Dec.
-24° 20' 00"
Mag.
4.6m
Diam.
14'
No.*
.
Br.*
6.87m

Abb.5: 2fach verkleinerter und nachbearbeiteter Ausschnitt aus dem STScI DSS [si1] mit beschrifteten Barnard-Dunkelwolken

Der amerikanische Astronom Edward Emerson Barnard hat nebst dem dominaten dunklen Band in M 8 noch weitere Dunkelwolken entdeckt und in seinem 1919 erschienenen Katalog Catalogue of 182 Dark Markings in the Sky aufgeführt. B 88 ist eine eigentümlich kometenförmige Wolke nördlich des offenen Sternhaufens NGC 6530. Die Bezeichnung für die sehr irregulär geformte Dunkelwolke nahe dem hellen Stern auf der Ostseite des Nebels lautet B 89. Südlich vom hellen Stern 9 Sagittarii liegt noch eine weitere, später entdeckte Staubwolke mit der Nummer B 296. Aussehen und Position können Abb. 5 entnommen werden. Einige Dunkelwolken schien Barnard jedoch übersehen zu haben. [bk4] Bei dem hellen Stern 7 Sagittarii (5.3 mag) westlich des Lagunennebels handelt es sich um einen F3-Stern der Hauptreihe. Er liegt mit nur 240 Lichtjahren Entfernung weit im Vordergrund und steht in keiner Beziehung zum Nebel. [ay136]

Dunkelnebel:
B 88 & B 89 & B 296
R.A.
18h 04m 36s
18h 05m 00s
18h 04m 06s
Dec.
-24° 08' 00"
-24° 22' 00"
-24° 32' 00"
Opacity
.
.
.
Dim.
2.7'x0.5'
0.5'
6.0'x1.0'

Auffindtip für den Lagunennebel:

Der diffuse Nebel M 8 liegt über dem Ausguss des Teapods, etwa auf der selben RA-Koordinate wie Al Nasl (gamma Sagittarii) und etwa ein Grad nördlicher als Kaus Borealis (lamda Sagittarii). In einer klaren, dunklen Nacht kann M 8 bereits von blossem Auge gesichtet werden, somit gestaltet sich das Auffinden recht einfach. Da der Nebel recht grossflächig ist, wird am besten ein Okular mit der geringsten Vergrösserung gewählt. In leicht dunstigen Nächten steigert ein O-III Filter den Kontrast.


Karte mithilfe von TheSky [pr2] erstellt.


Literatur
[dq10] AIDA - Astronomical Image Data Archive; http://aida.astroinfo.org/
[bk4] Burnham's Celestial Handbook: An Observer's Guide to the Universe Beyond the Solar System by Robert Burnham; Dover Publications, Inc.; Voume I: ISBN 0-486-23567-X; Volume II: ISBN 0-486-23568-8; Volume III: ISBN 0-486-23673-0
[si1] The STScI Digitized Sky Survey; First and Second Generation Survey; http://stdatu.stsci.edu/dss/
[bk15] Hartung's Astronomical Objects for Southern Telescopes by David Malin and David J. Frew; Melbourne University Press 1995; ISBN 0-522-84553-3
[si7] Giant 'Twisters' and Star Wisps in the Lagoon Nebula; Press Release No. STScI-PR96-38; http://oposite.stsci.edu/pubinfo/pr/96/38.html
[ay136] Plunge Into The Lagoon by David J. Eichner; Astronomy 7/96, p.82
[pr2] TheSky for Windows, Version 2.11, Level IV; Software Bisque; 912 Twelfth Street; Suite A; Golden, Colorado 80401, USA; http://www.bisque.com/thesky/


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20.12.2006 23:37 Uhr, Bernd Nies

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