 |
|
| Deep-Sky Corner / Ser / Messier 16 & IC 4703: Eagle Nebula |
Ser |
|
 |
 |
 |
|
Rektaszension:
18h 18m 42s
|
Deklination:
-13° 53' 00"
|
| Atlas (2000.0) |
Karte |
| Cambridge Star Atlas |
12 |
| Sky Atlas |
15, 16 |
| Uranometria Vol. II |
294 |
|
| Starchart at CalSKY.com |
Objektdaten:
|
Abb.1: Aufnahme des Adlernebels von Bernhard Blank
Vermutlich wurde der offene Sternhaufen Messier 16 als erster vom Schweizer Astronomen
P. L. de Cheseaux im Jahre 1746 entdeckt. 18 Jahre später stiess Charles Messier auf
denselben Sternhaufen und erkannte als einer der ersten, dass M 16 in einen schwachen
Nebel eingebettet ist. Dies war in diesem Fall aber eher ein Zufall und auf die schlechte
Kontrastleistung seiner verwendeten Fernrohre zurückzuführen, denn Messier sah auch
bei anderen Sternhaufen nichtexistente, diffuse Nebel. Zudem erkannten zahlreiche Astronomen
später und zur gleichen Zeit, darunter auch John Herschel, noch keinen Nebel bei M 16.
John C. Duncan entdeckte den Nebel im 12"-Refraktor des Within Observatory und stufte ihn
als leichter erkennbar als der Nebel in den Pleiaden ein. Im Jahre 1895 machte E. E. Barnard
möglicherweise als erster eine Aufnahme von M 16 mit dem Nebel. Der Nebel wurde sodann von
John L. E. Dreyer unter der Bezeichnung IC 4703 in seinen zweiten Index Catalogue
aufgenommen.
In den meisten Atlanten und Katalogen findet man unter der Bezeichnung M 16 gleichzeitig
den offenen Sternhaufen mitsamt dem umgebenden Nebel. Im Uranometria 2000.0 wird hier
jedoch zwischen dem Haufen M 16 (NGC 6611) und dem Nebel IC 4703 unterschieden.
Der vom Nebel umgebene offene Sternhaufen M 16 liegt hauptsächlich im
nordwestlichen Teil des Nebels und enthält eine grosse Anzahl von Riesen des O- und
B-Typs, Sterne von grosser Leuchtkraft und hoher Temperatur. Zahlreiche kurzlebige blaue
Riesen sind anwesend und viele schwache Variable des T-Tauri Typs, von denen man annimmt,
dass sie sich immer noch im Prozess der gravitationalen Kontraktion befinden. Es wird
vermutet, dass der Haufen erst etwa 800'000 Jahre alt ist und einige der Sterne erst vor
etwa 50'000 Jahren zu leuchten begonnen haben. In anderen Quellen findet man ein Alter von
55 Mio. Jahren - kosmisch gesehen auch noch sehr jung.
Wegen der starken und sehr unterschiedlichen Verdunkelung und Errötung der Sterne
durch den Nebel von teils bis zu vier Magnituden, ist es schwierig, eine genaue Entfernung des
Sternhaufens zu bestimmen. Schätzungen belaufen sich von 4200 bis 11'000 Lichtjahren, die
letzte und beste beträgt etwa 7000 Lichtjahre. Sie versetzt M 16 in den grossen
Sagittarius-Spiralarm unserer Galaxis, welches auch gut mit den Radiomessungen
übereinstimmt.
| Offener Sternhaufen:
M 16, NGC 6611 |
| R.A.
18h 18m 48s
|
Dec.
-13° 47' 00"
|
Mag.
6.0m
|
Diam.
21'
|
No.*
ca. 100
|
Br.*
8.24m
|
|
Abb.2: Aufnahme des HST in Falschfarben,
© STScI [si10]
Das nebenstehende dreifach Falschfarbenkomposit des Hubble Space Telescopes zeigt einen
Ausschnitt des Adlernebels IC 4703. Die blaue Farbe repräsentiert das
Emissionslicht von zweifach ionisiertem Sauerstoff bei 500.7nm, grün das von
Wasserstoff-alpha bei 656.3nm und rot das von einfach ionisiertem Schwefel bei 672.5nm.
Die Zentralregion des Nebels markiert die Grenze zwischen einer leuchtenden H-II Region und
dunklen Molekülwolken. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um den idealen Ort
für Fotoevaporation handelt - einem Prozess bei dem die UV-Strahlung von
heissen, jungen Sternen langsam eine angrenzende Wolke erodiert.Bei den dunklen,
langestreckten und scharfumrandeten Strukturen, Fred Hoyle nannte sie 'Elefantenrüssel',
handelt es sich Vorsteher der Molekülwolke in die H-II Region. Diese habe sich in der
starken, ionisierenden Strahlung besser gehalten als weniger dichte Wolken in der Umgebung,
welche schon lange zuvor ionisiert und zerstreut worden sind. Eventuell werden diese
Rüssel auch erodiert.
Auf der HST-Aufnahme ist gut zu erkennen, wie Gas von der vom Sternhaufen beleuchteten
Teil der Wolke abströmt. Am oberen Ende des linken Pfeilers sind einige kleine
fingerartige Vortsätze zu erkennen, abgeschlossen von EGGs (Evaporating Gaseous Globules)
an deren Spitze. In diesen EGGs (dt. Eier), die etwas grösser als unser Sonnensystem
sind, befinden sich Sterne und eventuell auch Planeten in einem sehr frühen
Entwicklungsstadium. Diese Globulen schirmen das dahinterliegende Gas von der starken Strahlung
des Sternhaufens ab und rufen so diese Fingerstruktur hervor. Im gesamten Nebel lassen sich
solche EGGs in einem unterschiedlichen Entwicklungsstadium beobachten. In einigen
lässt sich sogar ein werdender Stern beobachten. So ähnlich mag unser
Sonnensystem vor mehr als sechs Milliarden Jahren ausgesehen haben.
Radio-Emissionen des Adlernebels wurden erstmals mittels der 300ft-Schüssel des
National Radio Astronomy Observatory von Green Bank, West Virginia, detektiert.
In einer späteren Studie wurde festgestellt, dass Nebel und Sternhaufen etwa
12'500 Sonnenmassen betragen. Bei der akzeptierten Distanz beträgt der Durchmesser
des Nebels rund etwa 70 Lichtjahre.
| Heller diffuser Nebel:
IC 4703: Eagle Nebula, Star-Queen ~ |
| R.A.
18h 18m 36s
|
Dec.
-13° 58' 00"
|
Dim.
35'x28'
|
Type
E
|
ph Brt.
1-5
|
Color
3-4
|
Der romantische Name Star-Queen Nebula (Sternenkönigin) stammt von Robert Burnham
und zwar nach der dunklen Silhouette in der Mitte des Nebels, welche die Vorstellung einer
auf einem Thron sitzenden Königin erweckt. Den Namen Eagle Nebula (Adlernebel)
fand er ein bisschen zu prosaisch für solch ein Objekt, zudem der Adler schon in zwei
hellen Sternen erster Grössenklasse, Wega und Atair, verewigt wurde.
Wie findet man den Adler mit der Sternenkönigin?
Der Adlernebel M 16 liegt nahe des 'Dreiländerecks' Serpentis Caput,
Scutum und Sagittarus, nur 3 Grad nördlich vom Schwanennebel M 17
in Sagittarius. Mittels nebenstehender Karte und einem Grossfeldokular ist es ein
leichtes, dieses Schmuckstück im Fernrohr einzustellen. Der Sternhaufen ist in einer
dunklen Nacht auch schon von blossem Auge erkennbar.

Karte mithilfe von TheSky [pr2] erstellt.