 |
|
Lateinischer Name: Lyra |
Deutscher Name: Leier |
Lyr |
|
 |
 |
 |
Leier
|
|
 |
| Kulmination um Mitternacht: |
| 2. Juli |
| Deklinationsbereich: |
| 26°N ... 48°N |
| Fläche am Himmel: |
| 286°2 |
|  |
 |  |
|
 |
| Atlas (2000.0) | | Karte |
| Cambridge Star Atlas | : |
6 |
| Sky Atlas | : |
3, 8, 9 |
|  |
 |  |
|
Mythologie und Geschichte:
In der griechischen Mythologie war Hermes der Sohn des Zeus. Er trug einen
Flügelhut und Flügelschuhe. Er war der Beschützer der
Händler und Diebe und der Meister in jeder Kunst der Täuschung. Er
war es, der die Leier erfand. Er war noch ein Kind, da sah er eine
Schildkröte im Grase weiden. Er trug sie nach hause, weidete sie aus,
nahm ihren Panzer, zog eine Rindshaut darüber, spannte sieben Saiten aus
Schafsdarm über einen Steg und liess sie ertönen.
Diese Leier kam später in den Besitz von Apollon, der sie schliesslich
an seinen Sohn Orpheus weitergab, der ein gewaltiger Sänger war und um
Eurydike werben wollte. Hymenaeus, der Gott der Vermählung, kam um die
beiden zu trauen, doch schlechte Vorzeichen liessen die Zukunft dunkel
erscheinen. Als die jungvermählte Eurydike im Garten spazierenging, wurde
sie von einer Schlange gebissen, sank zusammen und starb.
Orpheus stieg in die Unterwelt herab, spielte dabei auf seiner Leier und
sang dazu. Er wollte seine Gattin wieder ins Leben zurückholen. Er drang
durch die Scharen luftiger Gebilde und die Schemen jenseits des Grabes vor bis
zu Hades, dem Beherrscher der Unterwelt. Orpheus sang vom Unrecht des Todes
seiner Gattin und erbat deren Freilassung. Während er so zum Klang seiner
Saiten sang, begannen die blutlosen Seelen zu weinen, Tantalos schnappte nicht
mehr nach entweichendem Wasser, Ixions Rad stand still, an Tityos Leber hackten
nicht mehr die Geier, keine Krüge trugen die Danaiden und Sisyphos ruhte
auf seinem Felsblock aus. Damals, so kündet die Sage, netzten zum ersten
Mal Tränen die Wangen der Furien, weil das Lied sie rührte. Weder
Hades' Gattin Persephone noch er selbst vermochten dem Flehenden seine Bitte
abzuschlagen. Sie riefen Eurydike. Diese weilte bei den erst kürzlich
gekommenen Schatten und ging wegen der Wunde langsamen Schrittes einher. Orpheus
nahm sie bei der Hand und erhielt zugleich die Weisung, nicht eher die Augen
zu wenden, als bis er das Tal der Toten verlassen habe, sonst sei das Geschenk
widerrufen.
Orpheus und Eurydike erklommen stillschweigends den steilen Pfad hinauf zur
Oberwelt, denn er war in der dichten, pechschwarzen Finsternis nur schwer zu
finden. Schon waren sie nicht mehr weit von der Grenze der Oberwelt entfernt,
doch Orpheus konnte die Schritte seiner Gattin nicht mehr höhren. Da
drehte er sich um aus Angst, sie könnte schon entwunden sein. Doch da
stand Eurydike, schöner denn zuvor. Während sie entschwand, streckte
sie ihre Arme aus, voll Sehnsucht, Orpheus zu umarmen und umarmt zu werden,
aber die Unglückliche greift nur in die entweichenden Lüfte. Als
sie so zum zweitenmal starb, liess sie kein Wort der Klage über ihren
Gatten vernehmen - worüber hätte sie auch klagen können als
über seine Liebe zu ihr? Sie hauchte ein letztes Lebewohl, seinen Ohren
kaum mehr vernehmlich, und sank dorthin zurück, woher sie gekommen
war. [bk20, ay58]
Nach einer anderen Sage ist die Leier etwa in den Jahren 600 vor Christus
im Besitz des griechischen Lyrikers Arion aus Lesbos gewesen. Auch er hat es
verstanden, sein Instrument auf unnachahmliche Weise zu spielen.
Der Erzählung entsprechend wird das Sternbild Leier,
Lyra, Cithara (viersaitige Zither), Orphei,
Orphica, Mercurialis, Mercurii genannt. An Hermes'
(Merkurs) Bastelarbeit, bei der er einen Schildkrötenpanzer mit Rindshaut
abdeckte und Darmsaiten darüber spannte, erinnern auch die Namen
Marina (dem Meer entstiegen), Testudo (Deckeltier,
Schildkröte) und Belua aqatica (Wassertier).
[bk20] Das Sterbild wurde auch als Adler
oder Geier gedeutet. [bk7]
Sternbild:
Das Sternbild liegt zwischen Cygnus und
Hercules. Lyra ist mit 286 Quadratgrad Fläche
ein kleines, aber auffälliges und einprägsames Sternbild, besitzt es doch den
fünfthellsten Stern Wega, der zusammen mit Atair und Deneb das Sommerdreieck bildet.
Südöstlich von Wega befindet sich ein markantes Parallelogramm aus vier Sternen.
Nördlich davon steht der Vierfachstern epsilon1/2 Lyrae, dessen beiden um 208"
getrennten Doppelkomponenten in einer klaren, ruhigen Nacht von bloßem Auge getrennt
werden können und somit als ein guter Test für die Sehschärfe dienen. Das
Zentrum des Sternbilds kulminiert jeweils etwa am 2. Juli um Mitternacht.
[bk9, bk15]
Interessante Objekte:
- Hellste Sterne:
- alpha Lyrae, Wega (Der herabstürzende Adler)
- beta Lyr, Sheliak (Die byhantinische Harfe)
- gamma Lyr, Sulafat
- delta Lyr
- epsilon Lyr, Double Double
- zeta Lyr
- eta Lyr
- RR Lyr
- Offene Sternhaufen:
- NGC 6791
- Kugelsternhaufen:
- M 56, NGC 6779
- Planetarische Nebel:
- M 57, NGC 6720: Ring Nebula
- Galaxien:
- NGC 6702 & NGC 6703
- IC 1296 (neben M 57)
| Literatur |
| [bk20] | | Sternbilder und ihre Mythen von Gerhard Fasching; Zweite, verbesserte Auflage; Springer Verlag Wien, New York; ISBN 3-211-82552-5 (Wien); ISBN 0-387-82552-5 (New York) |
| [ay58] | | The Starry Sky: Lyra by Deborah Byrd; Astronomy 6/94, p.51 |
| [bk7] | | Der grosse Kosmos-Himmelsführer von Ian Ridpath und Wil Tirion; Kosmos Verlag; ISBN 3-440-05787-9 |
| [bk9] | | Drehbare Sternkarte SIRIUS von H. Suter-Haug; Hallwag-Verlag, Bern |
| [bk15] | | Hartung's Astronomical Objects for Southern Telescopes by David Malin and David J. Frew; Melbourne University Press 1995; ISBN 0-522-84553-3 |